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Pressebericht der PNP in FRG PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Toni Kuhnt   
Samstag, 11. April 2009
PNP (Freyung) vom Samstag, 11. April 2009
Flötistin unter Wasser als bestes Foto

1. Niederbayerische Meisterschaft in digitaler Unterwasserfotografie im Freyunger Hallenbad

Von Jens Schörnich.
Freyung. Kurios ging es am Wochenende im Hallenbad zu. Da tauchte die Musikantin samt Instrument und Notenständer ab, wurde unter Wasser gekartelt, das Baby plantschte für die Kunst und die sexy Nixe umgarnte den Taucher. Für die Beteiligten war das aber nicht ungewöhnlich. Sie hofften darauf, dass ihr Motiv die Jury bei der 1. Niederbayerischen Meisterschaft in digitaler Unterwasserfotografie überzeugen würde.

Den Titel sicherten sich Nicole Lenk und Ulli Schafernicht mit der Komposition einer unter Wasser musizierenden Flötistin. Dabei überzeugte die Jury nicht nur die Idee, sondern auch die exakte, technische Ausführung. Über einen guten fünften Platz freute sich der Lokalmatador Dr. Josef Schraml. Der Hobbytaucher lichtete seine Frau Maria als verführerische Nixe ab.
Knipsen kann dank der modernen, einfach zu bedienenden Kameras heute Jedermann. Schon wesentlich anspruchsvoller ist es aber, ein gutes Foto zu machen. Dafür muss man sowohl die Technik beherrschen, als auch den Blick für die Situation und das Motiv haben. Die Steigerung, eine besondere Herausforderung an das Gerät und den Fotografen, stellt die Unterwasserfotografie dar. Trotzdem gehört eine Unterwasserkamera heute zur Standardausrüstung der Tauchsportler. »Die analogen, wasserdichten Kameras waren zu teuer. Das waren Phantasiepreise«, erzählt Wolfgang Schikowski, der die Veranstaltung unter Wasser für die Chronik festhält. An die 2000 Euro kostete nur die Grundausstattung. Mit der Einführung der Digitalfotografie wurde das Hobby erschwinglich, auch »wenn so ein kleines Gehäuse für die Kompaktkamera immer noch bis zu 200 Euro kostet«, erzählt die Freyungerin Dr. Maria Schraml. Allerdings gibt es bei der »Digi« keinen Ausschuss. »Da wird der Speicher nur gelöscht. Bei analogen Filmen ist man froh, wenn wenige Bilder zu gebrauchen sind«, macht Schikowski deutlich.
Die Schwierigkeiten für den Fotografen liegen in dem Medium. Das Wasser hat gegenüber der Luft eine höhere Brechzahl. Das bedeutet, dass alle Objekte um ein Drittel größer abgebildet werden, als sie in Wirklichkeit sind. Darüber hinaus filtert Wasser bereits in geringer Tiefe bestimmte Bestandteile des Lichts. Das führt bei den Fotos zu einem Blau- oder Grünstich, bei gleichzeitiger Kontrastverringerung. »Dagegen hilft nur ein Filter, eingebauter Blitz oder die mitgeführte Unterwasserlampe«, zeigt der 62-jähirge Schikowski an seiner Ausrüstung. Zum anderen sind sowohl der Fotograf als auch das Motiv, wie Fische, Pflanzen oder das Modell meist ständig in Bewegung. Wasser hat nun mal keine Balken. Es ist enorm schwierig, die Kamera halbwegs still zu halten«, macht der Bezirksvorsitzende Niederbayern im Bayerischen Landestauchverband und Vorsitzender des Passauer Tauchsportclubs, Toni Kuhnt, deutlich. Er freut sich, dass sich zur Premiere des Wettbewerbs gleich 14 Teams meldeten. Schon an den Sonntagen vorher haben einige Teilnehmer intensiv geübt. Seit 20 Jahren trainieren die Clubmitglieder, darunter etliche aus dem Landkreis Freyung-Grafenau, in den Wintermonaten im Freyunger Hallenbad. »Bei uns gibt es kein Bad mit dieser Tiefe. Deshalb nutzen wir gerne das Angebot«, so Organisator Kuhnt.
Überwiegend lichten die Unterwasserfotografen Fische, Meeressäugetiere, Korallen oder Wracks ab. »Solche Fotos findet man auf jeder Homepage«, erzählt der 52-Jährige. Bei der Meisterschaft dagegen, ist Einfallsreichtum gefragt. Die Teams müssen sich eine Szene ausdenken, in kurzer Zeit arrangieren und fotografieren. Der Phantasie ist dabei keine Grenze gesetzt. Schon die Vorbereitungen sorgen bei dem Laien für Erstaunen. »Da muss noch Blei rein. Sonst bleibst du nicht unten. Den Gewichtsgürtel müssen wir noch verdecken. Der darf nicht auf das Bild, zu unnatürlich. Noch einmal, halt die Luft an. Zappel nicht so! Du redest dich leicht«. Der Freyunger Josef Schraml zupft am Netztrikot seiner Frau. Über Wasser wird arrangiert, unter Wasser muss alles stimmen. Dann holt sie tief Luft und taucht ab. Jetzt muss das Shooting schnell gehen. Schließlich kann auch eine »Nixe« nur begrenzt die Luft anhalten.

Luft holen und abtauchen
Auf Anhieb klappt es bei keinem Team. Wenn man die klobigen Gehäuse der Kompaktkameras betrachtet, verwundert das nicht. Von einem feinfühligen Betätigen des Auslösers ist unter Wasser nicht die Rede. Doch zum Glück kann man sich das Ergebnis ja sofort betrachten. Entspricht es nicht der Vorstellung, heißt es halt: »Auf geht`s, Luft holen und abtauchen«. Schon etwas leid tut mir Otto, der Schafkopfer. Um auf dem Beckenboden stabil zu bleiben, hat er sich die Hose mit Gewichten voll gestopft. Beim Auftauchen zappelt er wie ein Ertrinkender, denn mit so viel Blei ist das Schwimmen kräfteraubend. Claudia, seine Partnerin, hat kein Erbarmen. Bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist, muss Otto noch öfter abtauchen. Die Beharrlichkeit zahlt sich aus. Sie werden niederbayerischer Vizemeister. Ein paar Meter entfernt versenken Ulli und Nicole einen Notenständer. Das Modell soll unter Wasser auf der Blockflöte spielen. Alles ist perfekt arrangiert. »Die haben das intensiv geübt«, verrät Toni Kuhnt. Die Gewichte ziehen Nicole unter Wasser, Blasen steigen auf. Noch ist das Wasser zu unruhig. Es reflektiert zu stark. Dann ist der Zeitpunkt richtig. Das natürliche Licht fällt gegen Mittag fast senkrecht auf das Wasser. Die Brechung stimmt. Der »Schuss« gelingt. Ihr Foto überzeugt die Jury. Die beiden Passauer werden zum Sieger der 1. Niederbayerischen Meisterschaft in digitaler Unterwasserfotografie gekürt.
Der Verband hat auf das steigende Interesse an der Unterwasserfotografie reagiert. Er bietet Weiterbildungen und Grundkurse an. Wer sich für das Tauchen interessiert oder erlernen will, der ist beim Tauchclub Passau gut aufgehoben. Unter www. tauchen. passau. com kann man alle Informationen abrufen.


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